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Posts tagged Psychologie
Realitäten leben

Als Arthur Koestler am 9 Januar des Jahres 1944 seinen Essay „The Nightmare That Is a Reality“ publizierte, hielten viele US-Amerikaner den Holocaust für eine propagandistische Erfindung ihrer eigenen Regierung.

Millionen Menschen werden auf grausamste Weise ermordet und niemand – bis auf eine kleine Gruppe, zu der unter anderem Koestler gehört – will es wahrhaben.

Wie kommt das?

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Flache Erde, Raum und Zeit

Was damals die Flache Erde war, ist heute das Konzept von Raum und Zeit – so die These des US-amerikanischen Psychologen und Autors Donald David Hoffman.

Evolution hat nicht dazu geführt, dass wir die objektive Realität unserer Umwelt wahrnehmen. Vielmehr hat Evolution uns auf die Wahrnehmung von Fitness-Punkten trainiert. Wo wir also einen Apfel sehen, ist in Wahrheit kein Apfel – wir sehen aber den Apfel, weil sich diese Wahrnehmung als evolutionär vorteilhaft herausgestellt hat.

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Hirntraining – eine Fiktion

Das Internet ist voll von Apps für Hirn- und Gedächtnistraining – mit weltweit fast 70 Millionen Nutzern derartiger Programme handelt es sich mittlerweile um einen Milliardenmarkt. Das Ziel des Ganzen ist offensichtlich: Spielerisch, soll man die eigene kognitive Kapazität erhöhen.

Das Problem: die Studienlage zu dieser Thematik ist mehr als mangelhaft. Manche Studien lieferten zwar positive Ergebnisse, die sich in Folgestudien aber meist nicht replizieren ließen.

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Das Beste, nicht besser

Ein wichtiges Konzept für unseren Blick auf die Umwelt: Eine Situation kann gleichzeitig schlecht und besser sein. Eine Situation kann gleichzeitig gut und schlechter sein.

Wie in meinem Artikel „Besser und Schlecht“ erläutert, müssen wir immer zwischen der Entwicklungsrichtung und dem Standpunkt eines Sachverhaltes differenzieren.

Ein verwandtes Konzept lässt sich auch auf unsere persönlichen Angelegenheiten übertragen, wie der Sportpsychologe Stan Beecham betont.

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Perspektive des Spendens

Die Welt ist voll von dringlichen Problemen – reichend vom Klimawandel über Armut bis hin zu tödlichen Krankheiten. Das wirft natürlich die Frage auf, welche dieser Probleme man selbst in Angriff nehmen soll.

Soll ich mein Geld lieber in den Kampf gegen den Klimawandel investieren, oder für Menschen in absoluter Armut spenden?

Zur Beantwortung dieser Frage scheint es sehr naheliegend, die Wichtigkeit der verschiedenen Probleme abzuwägen.

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Positiver Bias

In Studien hat sich gezeigt, dass sehr viele Personen, die oben genannte Aufgabe auf diese Art und Weise lösen würden. Man überlegt zuerst, welche Regel hinter der Reihenfolge stecken könnte und stellt dann 3 weitere Folgen auf, die dieser Regel entsprechen. Wird alles mit „Richtig“ markiert, so glaubt man, die Regel zu kennen.

Eliezer Yudkowsky bezeichnet diese Vorgehensweise als positiven Bias: Wir suchen immer nach positiven Beispielen, die unsere These bestätigen. Dabei wäre es viel sinnvoller, nach negativen Beispielen zu suchen, die der These nicht entsprechen.

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Lebenssinn, Durst und Wasser

„Durst, so zitiert Viktor Frankl gerne, ist der beste Beweis dafür, daß (sic) es so etwas gibt wie Wasser. Das Bedürfnis nach Sinn, das wir verspüren, ist der Beweis dafür, daß (sic) es »draußen« in der realen Welt so etwas gibt wie Sinn – […]“ – Franz Kreuzer in seinem Vorwort zu Frankls Buch „Die Sinnfrage in der Psychotherapie“.

Der Fakt, dass wir Durst empfinden ist ein Beweis für die Existenz von Wasser. Wenn es kein Wasser gäbe, hätten wir kein evolutionäres Grundbedürfnis nach diesem Gut. Dieselbe Logik überträgt Viktor Frankl nun auf den Sinn: Wenn es keinen Sinn gäbe, so hätten wir kein Grundbedürfnis nach dieser Idee.

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Das darf Wissenschaft nicht

In den letzten Wochen und Monaten werden vermehrt Stimmen laut, dass wir unsere Meinungs- und Sprachfreiheit verlieren. Es gibt immer mehr Dinge, die man nicht sagen kann, ohne mit gesellschaftlicher Ablehnung konfrontiert zu werden – so die Kritiker.

Wie steht es also um die Freiheit des Denkens?

Ich weiß es nicht. Eine hypothetische Frage, die mir in diesem Zusammenhang aber sehr nützlich erscheint: Könnten wir X sagen, wenn die Wissenschaft uns X beweisen würde.

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Grokking und Geschichte

Vor einigen Wochen habe ich das Konzept des Grokking entdeckt. Wer etwas grokt, hat nicht nur ein kognitives Verständnis davon. Wer etwas grokt, hat vielmehr ein Gefühl für die Sache. Eine Mutter weiß, wer ihre Kinder sind. Zusätzlich grokt sie diese Beziehung aber auch – sie fühlt die Beziehung zu ihren Kindern auf einer tiefen emotionalen Ebene.

Das wohl wichtigste Beispiel für fehlendes Grokking ist die Geschichte. In der Regel blicken wir mit denselben Augen auf die Geschichte der Menschheit mit welchen wir auch auf fiktive Geschichten blicken.

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Fehlende Fake-News

Unsere Medienlandschaft ist voll von gigantischen Problemen. Reichend von Filterblasen über die negativen Effekte des Mikrotargeting bis hin zu allgegenwärtigen Fake-News.

Mit Filterblasen und dem Mikrotargeting habe ich mich in der Vergangenheit bereits beschäftigt. Die Ergebnisse meiner beiden Artikel „Mikrotargeting - eine Phantasie“ und „Filterblasen – ein Ablenkungsmanöver“ waren allerdings recht ernüchternd.

Denn sowohl Mikrotargeting als auch Filterblasen stellen wissenschaftlich gesehen keine relevanten Problematiken dar. Das geht soweit, dass man ihre negativen Effekte empirisch nur schwerlich nachweisen kann.

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Euklid, Taxis und die Sprache

Bevor man die anfangs gestellte Frage beantworten kann, muss man klarstellen, ob man in der euklidischen Geometrie oder der Taxi-Geometrie messen soll.

Und dieses Beispiel dient nur zur harmlosen Illustration eines Phänomens, welches uns im Alltag ständig begleitet. Begriffe sind zu ungenau definiert. Das begünstig beispielsweise Betrüger, die sich die Flexibilität von Begriffen zu ihren Gunsten zurechtbiegen.

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Grokking - Entscheidungsmechanismus

Der Begriff „grok“ stammt ursprünglich aus dem Science-Fiction-Buch „Stranger in a Strange Land“ von Robert Heinlein. Wenn man etwas grokt, versteht man es auf einer sehr tiefgründigen Basis, die über ein rein kognitives Verstehen hinausgeht und eher einer emotionalen Verbindung entspricht. Man wird eins mit der Sache, die man grokt.

Im persönlichen und beruflichen Leben steht man immer wieder vor Kreuzungen mit diffizilen Entscheidungen. Schlussendlich wählt man dann eine Option, die sich aber doch nicht so anfühlt wie erwartet. Wie hätte man sich wohl bei den anderen Optionen gefühlt?

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Vergessliche KI-Systeme

In den letzten Jahren gab es auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz einige herausragende Durchbrüche. In vielen Fällen beziehen sich diese Durchbrüche aber auf einzelne Aufgaben. KI-Systeme werden also immer besser darin, spezifische Aufgaben möglichst optimal durchzuführen.

In Bezug auf das Erinnerungsvermögen sind KI-Systeme der tierischen Intelligenz aber oft noch weit unterlegen. Wenn ein KI-System zuerst die Aufgabe A und dann die Aufgabe B lernt, kommt es bei vielen Systemen zu katastrophalem Vergessen. Die Modelle stellen sich also so genau auf die neue Aufgabe B ein, dass sie die alte Aufgabe A nicht mehr durchführen können.

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Robotermissbrauch & Gruppenzwang

In den kommenden Jahrzehnten werden Roboter ein immer wichtigerer Begleiter des alltäglichen Lebens werden. Ob als Kellner in einem Restaurant, als Postbote oder in der Produktionshalle.

Leider läuft die Zusammenarbeit von Robotern und Menschen nicht immer friedlich ab. So häufen sich die Fälle von Robotermissbrauch, im Zuge dessen Roboter beschädigt oder sogar zerstört werden.

Um in Zukunft ein florierendes Zusammenspiel von Mensch und Maschine zu garantieren, muss man Wege finden, Robotermissbrauch zu minimieren.

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Leid abwägen - ein Unterschied

Das Abwägen von Leid, die zahlenmäßige Bewertung von Leben – all das ist Teil des effektiven Altruismus.

Zwar scheint es intuitiv logisch, dass mehr Leid reduziert wird, wenn man 1000 Kinder in Afrika anstelle von einem Kind in Deutschland rettet. Dennoch wirkt es ethisch gefährlich, Leben auf diese Art und Weise abzuwägen.

Ein häufiges Gegenargument: Wenn ich lieber 100 Kinder als 1 Kind rette, dann sollte ich auch bereit sein, 1 Kind umzubringen, um von dessen Organen ein Dutzend andere zu retten.

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Empathie - wir haben genug!

«Wir brauchen mehr Empathie. Wir brauchen mehr Empathie für zukünftige Generationen, um mit ökologischer Weitsicht zu handeln. Wir brauchen mehr Empathie für Menschen in Armut, um Leid zu bekämpfen.»

Empathie ist mit Sicherheit ein essentieller Faktor für ein humanes Miteinander. Doch Empathie ist auch ein evolutionäres Phänomen, eine Emotion. Dementsprechend orientiert sich die Empathie nicht gerne an Zahlen oder Fakten.

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Absurdität – Heuristik oder Bias

Die Abstemplung von absurden Aussagen ist eine hilfreiche kognitive Heuristik. Wenn ein Statement unseren Erfahrungen widerspricht, halten wir es für absurd und müssen uns so nicht länger damit herumschlagen.

In der Regel ist diese Heuristik äußerst nützlich. Unter bestimmten Voraussetzungen wird die Absurditätsheuristik aber zu einem Absurditätsbias.

Wie Eliezer Yudkowsky betont, sind vor allem zwei Faktoren für eine fehlerhafte Anwendung der Absurditätsheuristik entscheidend.

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Planungsfehlschluss – weg mit Details

Im Juli 1997 gab es die erste Kostenprognose für das neue Parlamentsgebäude Schottlands. Bis zu 40 Millionen britische Pfunde sollte der Bau des Gebäudes kosten. Im April 2000 setzten die Gesetzesgeber schließlich eine Obergrenze für die Baukosten fest: 195 Millionen britische Pfund lautete die maximale Kostenprognose. Schlussendlich wurden die Bauarbeiten 2004 finalisiert. Die Kosten: 431 Millionen britische Pfund.

Derartige Planungskatastrophen sind alles andere als eine Seltenheit – man denke nur an das Opernhaus von Sydney oder den Canadian Pacific Railway.

Die Ursache dieser Planungskatastrophen ist das kognitive Phänomen des Planungsfehlschlusses.

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Missverständnis Bauchgefühl

Situationen, die von Unsicherheit, einer schlechten Datenlage oder einer Unmenge an Optionen geprägt sind, erfordern simple Lösungsmechanismen.

Ein simpler Lösungsmechanismus bedeutet, dass man einfache Regeln anstelle komplexer statistischer Modelle verwendet. Ein simpler Lösungsmechanismus bedeutet aber auch, dass man anders denkt.

„Deliberate thinking and logic is not generally better than intuition, or vice versa. Logic (or statistics) is best for dealing with known risks, while good intuitions and rules of thumb are indispensable in an uncertain world.” – Gerd Gigerenzer in seinem Buch “Risk savvy”.

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Conjunction-Fallacy & Occams Rasierer

Linda ist eine Kassiererin.

Linda ist eine Kassiererin und in einer feministischen Bewegung aktiv.

Welche der beiden Aussagen ist wahrscheinlicher?

Laut den Studien von Daniel Kahneman halten gut 90% der Menschen die zweite Aussage für wahrscheinlicher. Logisch gesehen ist das natürlich falsch. Denn sobald Linda eine Kassiererin ist, stimmt die erste Aussage. Die zweite Aussage stimmt nur, wenn sie zusätzlich auch noch in einer feministischen Bewegung aktiv ist.

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