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Füllwörter über Zeitformen

Sprache ist eine Sache der Praxis. Das wird nirgends deutlicher als in der Schule, wo die Lernenden oft selbst nach mehreren Jahren der Übung kein ordentliches Gespräch in der jeweiligen Fremdsprache führen können.

Ein Grund dafür ist sicherlich der falsche Fokus des Kurrikulums.

„While the scholastic-minded will memorize declensions, the a-Platonic nonnerd will acquire, say, Serbo-Croatian by picking up potential girlfriends in bars on the outskirts of Sarajevo, or talking to cabdrivers, then fitting (if needed) grammatical rules to the knowledge he already possesses.” - Nassim Taleb in seinem Buch “The Black Swan”.

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Realitäten leben

Als Arthur Koestler am 9 Januar des Jahres 1944 seinen Essay „The Nightmare That Is a Reality“ publizierte, hielten viele US-Amerikaner den Holocaust für eine propagandistische Erfindung ihrer eigenen Regierung.

Millionen Menschen werden auf grausamste Weise ermordet und niemand – bis auf eine kleine Gruppe, zu der unter anderem Koestler gehört – will es wahrhaben.

Wie kommt das?

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Kompetente Anarchie

In den letzten Wochen und Tagen habe ich viele Gedanken des Philosophen Vilém Flusser veröffentlicht. Sehr augenscheinlich ist dabei immer wieder sein Hass gegenüber Nationalismus und Patriotismus. Man kann es sogar noch allgemeiner formulieren. Er hat eine Abneigung gegenüber angeborenen Bindungen, weil er in seinem eigenen Leben erfahren hat, dass Wahlbeziehungen weitaus fruchtbarer sind.

Nun stellt sich natürlich die Frage – wenn nicht Nation, wenn nicht angeborene Beziehungen, was dann?

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Verstärkung des Unwahrscheinlichen

„Innovations come in many forms, but one thing they all have in common, and which they share with biological innovations created by evolution, is that they are enhanced forms of improbability.” – Matt Ridley in seinem Buch „How innovation works”.

Innovation ist einer dieser Begriffe, die viel verwendet aber nur selten definiert werden. Umso spannender die Definition von Matt Ridley. In seinen Augen sind Innovationen verstärkte Formen des Unwahrscheinlichen.

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Lüge des Alters

Der Philosoph Vilém Flusser hat mich kürzlich auf etwas aufmerksam gemacht, das absolut offensichtlich und enorm wichtig ist, ich bisher aber noch nie bedacht habe: Es ist eine große Dummheit, das eigene Leben in Zeiteinheiten zu messen.

„Es hat mich immer gestört, daß man die Lebensdauer von Menschen objektiv mißt in Jahrzehnten, Jahren, Monaten. Ich glaube, das ist ein Maßstab, der für das Erleben und das Erleiden völlig ungeeignet ist. Es gibt Abschnitte, die sehr intensiv sind, die voller Erlebnisse sind, und es gibt andere, die ziemlich öde verlaufen.“ - Vilém Flusser im Gespräch mit Patrik Tschudin.

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Einfachheit ungleich Verfügbarkeit

Vor Kurzem diskutierte ich über folgendes Thema: Wie soll man einen Freund beraten, der um einen Ratschlag bittet.

Für mich lag die Antwort recht schnell auf der Hand. Ich gebe keine konkreten Ratschläge. Ich frage nach, fasse zusammen und versuche so herauszuholen, was der Freund ohnehin schon unterbewusst weiß.

Soweit so gut. Nun kam aber ein durchaus berechtigter Kritikpunkt an meiner Vorgehensweise auf: Der Freund fragt mich als Freund um einen Ratschlag. Ist es also nicht auch meine Pflicht, mir als Freund Platz in der Entscheidung zu nehmen – also meine Emotionen und Gedanken miteinfließen zu lassen?

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Infotainment - der Zeilentest

In meinem Artikel zu Unterhaltungsdiskussionen argumentiere ich, dass viele scheinbar produktive Debatten nicht viel mehr sind als belangloses Entertainment. Was produktiv wirkt, bringt also nicht mehr hervor als alltäglicher Smalltalk.

Dasselbe gilt auch für Medien und Informationen – so zumindest die These des Unternehmers Balaji Srinivasan.

„Typically, people will put, let's say, war reporting and Kim Kardashian reporting at opposite ends of the spectrum. […] I actually argue they're both infotainment at one end of the spectrum, and the other end is news you can use or tutorials.” - Balaji Srinivasan im North Star Podcast.

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Patriotismus – ästhetische Krankheit

In meinem Artikel „Wohnung nicht Heimat“ erläutere ich, wieso die Wohnung viel essentieller ist als die Heimat. Kurz gesagt: Der Mensch kann heimatlos sein, er braucht aber immer eine Wohnung – einen Ort des Gewohnten, der ihm erlaubt, neue Informationen wahrzunehmen und das Alltägliche auszublenden.

Patrioten begehen den Fehler, Heimat und Wohnung zu verwechseln. Für sie ist nicht die Wohnung der Ort der Gewohnheit, sondern die Heimat. Laut Vilém Flusser führt diese Verwechselung zu einer ästhetischen Störung:

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Disziplin zur Freiheit

Disziplin und Freiheit wirken auf den ersten Blick wie zwei recht gegensätzliche Begriffe.

Um Disziplin geht es beim Militär, wenn alle in einer Reihe stehen und irgendwelchen Befehlen gehorchen.

Um Disziplin geht es beim Sport, wenn man seinem Plan folgt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Mit Freiheit hat das augenscheinlich nicht viel zu tun.

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Wohnung nicht Heimat

In den Ohren der meisten Menschen hat der Begriff Heimat eine viel höhere Bedeutung und Wichtigkeit als der Begriff der Wohnung. In den Augen des Philosophen Vilém Flusser ist das ein Fehler.

„Man kann die Heimat auswechseln oder keine haben, aber man muß immer, gleichgültig wo, wohnen.“ - Vilém Flusser in seinem Text „Wohnung beziehen in der Heimatlosigkeit“.

Denn der Mensch braucht keine Heimat, der Mensch kann frei herumreisen, ohne irgendeiner Nation, irgendeiner Heimat, anzugehören. Der Mensch braucht aber immer eine Wohnung, um zu überleben.

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Online-Futarchie

Die Grundidee hinter dem Konzept der Futarchie ist denkbar einfach: Menschen stimmen nicht nur ab, wie in der Demokratie. Ihre Stimme ist auch mit einer Wette auf die Zukunft verbunden. Wenn sich ihre Entscheidung als gewinnbringend herausstellt, gewinnen sie Geld, wenn sich ihre Entscheidung als schlecht herausstellt, verlieren sie Geld.

Der Ökonom Robin Hanson hat die Idee der Futarchie ursprünglich als eine Alternative zur Demokratie entwickelt. Im Zusammenhang dieses Artikels soll es aber vor allem um ihr Potential zum Managen von Online-Plattformen gehen.

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Patriotismus - auferlegte Beziehung

In den Augen George Orwells ist Patriotismus ein harmloses Phänomen. Patriotismus ist lediglich die Liebe zum eigenen Vaterland, zur eigenen Lebensweise. Anders als der Nationalist will der Patriot seinen Lebensstil aber keinen anderen Menschen aufzwingen.

Orwell hat mit der Harmlosigkeit des Patriotismus insofern recht, dass Patriotismus kein konkretes Leid verursacht. Anders als der Nationalismus, der in seiner Expansionslust immer auch mit Gewalt verbunden ist.

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Über- und Unterkoordination

Ob Artikel, Videos oder Podcasts. Frei zugängliche und nicht werbefinanzierte Inhalte im Internet haben ein großes Problem: Die Tragödie des Gemeingutes.

Nehmen wir als Beispiel einen Autor oder Videoproduzenten, der sich mit freiwilligen Spenden über Wasser hält. Kein Nutzer hat einen konkreten Anreiz zu spenden – solange genug andere spenden, wird der Autor seine Artikel und der Filmemacher seine Videos produzieren.

Das führt dazu, dass der Produzent von wertvollen Inhalten immer nur einen ganz geringen Anteil seiner Wertschöpfung in tatsächliches Einkommen verwandeln kann.

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Unterhaltungsdiskussionen

Diskussionen über die Existenz Gottes, den freien Willen oder den Beginn eines menschlichen Lebens haben eines gemeinsam: Es handelt sich in den meisten Fällen um reine Unterhaltungsdiskussionen.

Unterhaltungsdiskussionen behandeln Themen, die seit Jahrhunderten diskutiert werden, ohne wirkliche Ergebnisse oder neue Argumente hervorzubringen.

„It´s like you´re not really serious so you might as well have a half-hour discussion about free-will which I have no interest in.” – Eric Weinstein in einem Gespräch mit seinem Bruder Eric Weinstein.

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Migrant – ein Egoist

In meinem Artikel „Altlasten von Beziehungen“ habe ich mich damit beschäftigt, wie Migration die Fesseln von Charakteraltlasten lösen kann. Man befindet sich in einem vollkommen neuen Umfeld, kann die Klischees in bestehenden Beziehungen hinter sich lassen und authentische neue Beziehungen aufbauen.

Es handelt sich hierbei um einen Aspekt der migrantischen Freiheit. Denn der Migrant löst sich von vielen Ketten der Heimat, von Gewohnheiten und Traditionen und wird dadurch freier als der Einheimische.

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Sprache – Schönheit im Vergleich

Welchen Regeln folgt die Konjugation der Verben? Wie bildet man die diversen Zeitformen? Wie dekliniert man die Nomen?

Diese Fragen stellt sich jeder Lernende auf dem Weg zur Beherrschung einer neuen Sprache. Das Absurde daran: Die meisten Muttersprachler können diese Fragen nicht beantworten.

Man muss sich als Muttersprachler nie Gedanken über die grammatikalischen Merkmale der eigenen Sprache machen – man beherrscht sie ohnehin nahezu perfekt.

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Fehlschluss des Tischlers

Gerade im Zuge der aktuellen Pandemie begegnet man ihm immer wieder – dem Fehlschluss des Tischlers.

Stellen wir uns dazu die Frage, wer sich legitimerweise zur Pandemie, ihren Effekten und potentiellen Gegenmaßnahmen äußern kann. Vor allem einmal Virologen und Ärzte – schließlich sind sie die Experten, wenn es um menschliche Physiologie und Medizin geht.

“If you want to figure out how to gamble, don't talk to the carpenter who built the roulette wheel.” – Russ Roberts in einem Gespräch mit Nassim Taleb.

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Beziehung ohne Legitimitätsnachweis

Was unterscheidet Freundschaft von anderen Beziehungstypen – also von familiären und romantischen Beziehungen?

„The proofs of legitimacy are built in, like points on a map between which one can drive cleanly, staying on the wide highways, the well-lit roads.” - Helena Fitzgerald in ihrem Artikel „The Families We Choose”.

Laut der Autorin Helena Fitzgerald läuft dieser Unterschied auf einen einzigen Faktor hinaus: Freundschaften sind Beziehungen ohne Legitimitätsnachweise.

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