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Die Finanz- und Weltwirtschaftskrise von 2008 (Stand: 14.12.2018)

1.    Grundlage

Im Jahr 2008 erlebte die Weltwirtschaft die größte Krise seit der Great Depression in den 1930er Jahren. Die Krise begann im Grunde mit dem rapiden Abfall der Immobilienpreise in den USA, nachdem diese in den Jahren zuvor auf ein enorm hohes Niveau gestiegen waren.

Da es sich bei einer Krise um einen dynamischen Prozess handelt, und es im Falle der 2008 Krise kein einläutendes Event wie den Schwarzen Donnerstag in der Great Depression gab, ist der Startpunkt der Wirtschaftskrise nicht klar festzulegen. Da aber im Januar 2008 die erste große US-amerikanische Finanzinstitution Countrywide Financial Corp. insolvent wurde und von der Bank of America im selben Monat aufgekauft wurde, erscheint es vernünftig den Januar 2008 als Startpunkt der Krise zu wählen.[1]

Das Ausmaß der Krise sowohl in den USA als auch international wurde aber erst mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 wirklich klar, wobei sowohl die Pleite an sich - es handelte sich um den größten Insolvenzfall der Geschichte - als auch der Fakt, dass die US-Regierung Lehman nicht rettete, für eine Panik an den Märkten sorgte, mit der deutlich wurde, dass eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise begonnen hat.[2]

2.    Was ist passiert?

In den Jahren von 2002 bis 2007 bzw. 2008 entwickelte sich in den USA eine massive Immobilienmarktblase. Wie für Blasen üblich wurden die hohen Preise an den Immobilienmärkten vor allem durch Kredite von Banken finanziert. Diese Kredite und damit auch deren Risiken wurden durch Finanzinstrumente die in dieser Zeit an internationaler Popularität gewannen in die ganze Welt und vor allem Europa verkauft.[3]

Als die Immobilienblase in den USA schließlich um 2007 platzte, entwickelte sich rasant eine weltweite Bankenkrise die sich schließlich in eine weltweite Wirtschaftskrise und Rezession ummünzte.[4]

Diese weltweite Krise schlug sich so unter anderem im Welt-BIP nieder, welches im Jahr 2009 eine Reduktion von 0.6% im Vergleich zu 2008 führte. Dabei verzeichneten alle, nach UN, entwickelten Länder einen Rückgang des BIP und es war auf ausnahmslos allen Kontinenten ein Rückgang des BIP-Wachstums zu verzeichnen.[5]

3.    (Hinter-)Gründe

Wenn es um die Gründe der Wirtschaftskrise von 2008 geht, so führen viele Menschen, sowohl in den Medien als auch bei privaten Diskussionen, die Gier der Banker sowie das Gewinnstreben der Unternehmer an. Allerdings hält diese Erklärung keiner wirklichen Prüfung statt, so existieren die Gier der Menschen sowie auch das Gewinnstreben von Kapitalisten im Grunde immer. Darum darf es bei einer Untersuchung der Gründe eine Krise nicht um die menschliche Natur gehen, sondern darum, welche Faktoren gegeben waren, sodass der Mensch beim Ausleben seiner Natur, eine derartige Krise auslöst und genau um diese Faktoren soll es auch hier gehen.[6]

Als historischer Hintergrund ist wichtig zu wissen, dass sich in den Jahren 1995-2000 die Dot-Com-Blase  an den weltweiten Aktienmärkten (vor allem USA) entwickelte, die platzte und in den Jahren 2001-2002 zu einer Rezession in den USA führte, auf welche die Zentralbank der USA (FED) unter anderem mit einer Senkung der Zinsen reagierte.[7]

Dazu kam, dass die US-Regierung 1992 eine neue Kreditrichtlinie einführte, welche die Hausbesitzrate von schlechter verdienenden US-Amerikanern fördern sollte. Dazu wurden die Richtlinien für Banken die Kredite an solche Bürger vergaben (man spricht dabei von Subprime Krediten), laxer. Gemeinsam mit den Leitzinsen die, wie angesprochen, unter Präsident Bush in den Jahren 2001 bis 2004 auf 1% gesenkt wurden, führte diese Politik zu einem großen Immobilienboom in den USA, getrieben von billigen Krediten durch niedrige Zinsen und lockere Regulierung.[8]

Vor allem das Subprime Geschäft spielte dabei eine besonders große Rolle, getrieben nicht nur von einer Politik die dies fördern wollte, sondern auch, wie fast alle Krisen, durch eine Art von Innovation. Diese Innovation sehen viele Experten im Finanzsektor und zwar in Form von neuen Finanzinstrumenten. Dabei wurden Kredite, also deren Rendite und Risiken, in Form von sogenannten MBS (kreditgestützten Wertpapieren) in gebündelter Form von Banken an internationale Märkte verkauft. Diese MBS wurden untereinander oft wieder kombiniert und gebündelt, wobei von CDOs die Rede ist.[9]

Aufgrund der niedrigen Zinsen, die als Reaktion auf die Rezession von 2001-2002 eingeführt wurden, kam es zum „Reach for Yield“-Phänomen, die Zinsen der Zentralbanken sind also so niedrig, dass die Kapitalmarktteilnehmer bereit sind mehr Risiko einzugehen um wenigsten eine kleine Rendite für ihr Kapital zu erwirtschaften. Dafür investierten viele Marktteilnehmer, vor allem auch Versicherungen und Hausbanken in Europa, also nicht nur Investmentbankern und Spekulanten, in die bereits genannten Finanzinstrumente, von denen sie sich aufgrund der breiten Diversifikation des Risikos auf tausende Kredite, eine gute Rendite trotz eines relativ geringen Gesamtrisikos erwarteten.[10]

Problematisch war aber, dass sich diese Instrumente durch eine sehr hohe Intransparenz auszeichneten, Investoren hatten also wenig Information über die wirkliche Qualität der Kredite die hinter dem jeweiligen Produkt stecken. Darum verließen sie sich stark auf die Ratings von US-amerikanischen Ratingagenturen, für die es zum einen selbst nicht leicht war die Produkte zu durchblicken, und die zum anderen auch enorme Interessenskonflikte hatten, so wurden (und werden) sie von den Herausgebern der Wertpapiere bezahlt und bekamen von selbigen die Informationen.[11] Dazu kommt, dass so gut wie alle Wertpapiere in den USA von nur drei großen Rating-Agenturen überprüft werden, die ein teilweise staatlich gesichertes Monopol haben.[12]

Da der Bedarf nach diesen Produkten trotz ihrer Intransparenz immer höher wurde, machten die Banken, die diese Wertpapiere ausgaben, immer schlechtere Kredite, sprich Kredite an Kreditnehmer, die so gut wie keine Bonität hatten, schließlich hatten sie mit dem Risiko nichts mehr zu tun und verdienten lediglich an den Gebühren für den Abschluss der Kredite und die Ausgabe bzw. den Verkauf der Wertpapiere Geld.[13]

Dazu kam der Fakt, dass die meisten Kredite einen sogenannten „Maturity Mismatch“ aufwiesen also eine Laufzeit Diskrepanz, die Banken gaben also meist kurzfristige Kredite aus, die die Kunden aber nutzten um Immobilien zu kaufen, wobei es sich um ein langfristiges Investment handelt. Darum mussten die Kreditnehmer immer wieder neue Kredite aufnehmen, sie waren damit davon abhängig, dass die Zinsen niedrig blieben und die Kreditmärkte liquide waren, Banken also bereit waren neue Kredite auszugeben. Damit war die ganze Blase rund um den US-amerikanischen Immobilienmarkt, welche sich durch die angesprochenen Wertpapiere in die ganze Welt verbreitete, enorm abhängig von Liquidität an den Märkten und niedrigen Zinsen und damit enorm zerbrechlich, sollte einer dieser Faktoren ausfallen.[14]

Doch die US-Bürger waren trotz der genannten Risiken sehr willig weiterhin Häuser und Immobilien zu kaufen. Und auch Spekulanten hatten großes Interesse an den Immobilien, was man leicht erklären kann, da die Investoren weiterhin eine sehr hohe Erwartungshaltung an die zukünftige Entwicklung ihrer Immobilien hatten. Zieht man in Betracht, dass ein normaler Kredit um die 6% Zinsen kostete, war der Kauf von Immobilien für viele Spekulanten aber auch Privatpersonen ein ganz klar gewinnbringendes Geschäft, zumindest was ihre Erwartungen betraf. Damit stellte neben der Liquidität sowie der niedrigen Zinsen auch die Erwartungshaltung der Investoren eine entscheidende Bruchstelle der Blase dar.[15]

Quellen:

[1] Havemann, Joel: The Financial Crisis of 2008. 02.02.2009. URL: https://www.britannica.com/topic/Financial-Crisis-of-2008-The-1484264 (Zugriff: 07.12.2018)

[2] N.N.: “9/15” – die Lehman-Pleite: Was damals wirklich geschah. In: Die Presse. 14.09.2010. URL: https://diepresse.com/home/wirtschaft/finanzkrise/503750/915-die-LehmanPleite_Was-damals-wirklich-geschah#slide-503750-0 (Zugriff: 08.12.2018)

[3] Petrov, Krassimir (Vortragender): The Global Financial Crisis of 2008 – The Primary Causes. [Video] URL: https://www.youtube.com/watch?v=ZJN9Zb45cW4 (Zugriff: 09.12.2018)

[4] Havemann, The Financial Crisis of 2008, [Web-Site]

[5] Sebastian Dullien u.a.: The Financial and economic crisis of 2008-2009 and developing countries. New York und Geneva: 2010, S. 1f. Als Download: https://unctad.org/en/Docs/gdsmdp20101_en.pdf (Zugriff: 09.12.2018)

[6] Petrov, The Global Financial Crisis of 2008 – The Primary Causes, [Video]

[7] Petrov, The Global Financial Crisis of 2008 – The Primary Causes, [Video]

[8] Bartmann, Raphael: Causes and effects of 2008 financial crisis. Villingen-Schwenningen: 2017, S. 3f. Als Download: https://opus.hs-furtwangen.de/frontdoor/deliver/index/docId/1962/file/Bartmann+-+Causes+and+effects+of+ 2008+financial+crisis.pdf. (Zugriff: 10.12.2018)

[9] Helleiner, Eric: Understanding the 2007-2008 Global Financial Crisis: Lessons for Scholars of International Political Economy. Waterloo: 2011, S. 3f. Als Download: http://www.ir.rochelleterman.com/sites/default/files/Helleiner%202011.pdf (Zugriff: 11.12.2018)

[10] Petrov, The Global Financial Crisi of 2008 – The Primary Causes, [Video]

[11] Helleiner, Understanding the 2007-2008 Global Financial Crisis, S. 4.

[12] Allison, John (Vortragender): Ayn Rand Lecture: The Causes of the Financial Crisis. [Video] URL: https://www.youtube.com/watch?v=K0SfiiTIYfE (Zugriff: 12.12.2018)

[13] Petrov, The Global Financial Crisis of 2008 – The Primary Causes, [Video]

[14] Petrov, The Global Financial Crisis of 2008 – The Primary Causes, [Video]

[15] Shiller, Robert (Vortragender): Prof. Robert Shiller on Housing and the Financial Crisis. [Video] URL: https://www.youtube.com/watch?v=rmeqB5to5Dg (Zugriff: 14.12.2018)

noah leidinger